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Indianer

Indianer (Native American)


Völkerkunde:
Die Ureinwohner (neben den Eskimo und Aleuten) des amerikanischen Doppelkontinents; der Name geht auf den Irrtum Kolumbus' zurück, der bei seiner Landung in Amerika glaubte, Indien auf dem westlichen Seeweg erreicht zu haben. Die Indianer sind wahrscheinlich über eine damals im Bereich der Beringstraße bestehende Landbrücke aus Asien eingewandert (zwischen 23000-18000 und nach 12000 v.Chr.). In der Anthropologie werden sie als Indianer zusammengefasst. Die Schätzungen über die Zahl der Indianer vor der europäischen Kolonisation schwanken erheblich (zwischen etwa 15 Mio. und mehr als 100 Mio.).


Nordamerika:
Die Indianer der Sprachfamilie der Subarktis (Algonkin, Athapasken) und der Nordwestküste (Tlingit, Haida) waren einfache Jäger und Binnen- beziehungsweise Küstenfischer, die Indianer Kaliforniens (Maidu, Yokuts, Pomo, Cahuilla) und des Goßen Beckens (Shoshone, Paiute, Ute) und der angrenzenden Plateaus (Nez Percé, Flathead) waren Fischer (Lachs), Wildbeuter und Sammler (Eicheln) mit hoch entwickelter Korbflechtkunst. Die Sprachfamilien des nordöstlichen (Algonkin, Irokesen) und Indianervölker des südöstlichen Waldlandes (Cherokee, Creek, Natchez) sowie des Südwestens (Hopi, Zuni, Keres u.a.) waren weitgehend sesshafte und intensive Feldbauern (Mais, Bohne, Kürbis), die künstliche Bewässerungssysteme und Tongefäße kannten. In den stammesübergreifenden Zusammenschlüssen, z.B. der Irokesenföderation, die aus den sechs Nationen der Onondaga, Mohawk, Seneca, Cayuga, Oneida und Tuscarora bestand, und der so genannten Fünf zivilisierten Stämme (Creek, Choctaw, Chickasaw, Seminolen, Cherokee), zeigten sich Ansätze einer Staatenbildung, die diese Indianer kulturell in die Nähe der Hochkulturen Mittelamerikas und des westlichen Südamerikas rückt. Eine Sonderstellung nahmen die Indianer der Prärien des Mittleren Westens (Dakota, Arapaho, Cheyenne, Comanchen) ein. Ursprünglich Gartenbauern (Mais) und saisonale Jäger, entwickelten sie sich seit der Übernahme des Pferdes von den Spaniern (um 1630) schnell zu (auch kriegerischen) Reiterjägern, die nahezu ihren gesamten Lebensbedarf aus der Bisonjagd deckten. Typische Waffen der Indianer waren vor der Verbreitung der Feuerwaffen Wurfbeil (Tomahawk), Keule sowie Pfeil und Bogen. Die Landnahme der Europäer war vom Widerstand und Freiheitskampf der nordamerikanischen Indianer begleitet (Indianerkriege): 1680 verbündeten sich die Puebloindianer im Südwesten gegen die Spanier. 1755 vereinigte Häuptling Pontiac von den Ottawa mehrere Stämme im Gebiet der Großen Seen und führte 1763-66 einen Aufstand gegen die Engländer. Shawnee-Häuptling Tecumseh bemühte sich nach 1805 um ein Bündnis aller Stämme im Mittelwesten und Süden gegen die nach Westen vordringenden weißen Siedler (Scheitern seiner Pläne durch die Niederlage der Indianer in der Schlacht am Tippecanoe River 1811). Im 19.Jahrhundert wurde das Schicksal der indianischen Völker besiegelt. Viele Stämme wurden ab 1830 (Indian Removal Act) in das mehrfach verkleinerte Indianerterritorium umgesiedelt. Durch das Abschlachten von über 70 Millionen Bisons zwischen 1830 und 1883 war den Prärie- und Plainsindianern die Existenzgrundlage entzogen worden. Der letzte große Sieg der Indianer gegen die Armee der USA war die Schlacht der Dakota u.a. Stämme unter Führung von Crazy Horse und Sitting Bull am Little Big Horn 1876. Weitere bekannte Indianerführer, die zumeist in blutigen Guerillakriegen um die Freiheit und die Rechte ihrer Stämme kämpften, waren u.a. die Apachen Cochise (1874) und Geronimo sowie der Häuptling der Nez Percé Chief Joseph (um 1840, 1904). Mit dem Massaker am Wounded Knee 1890 war der indianische Widerstand gebrochen. Die einzelnen Stämme hatte man inzwischen alle in Indianerreservationen zusammengedrängt. In den 1960er-Jahren formierte sich ein neuer Widerstand (»Red Power«). Seit den 1970er-Jahren forderten die Indianerstämme der USA und Kanadas die Erneuerung der zahlreichen gebrochenen Verträge beziehungsweise Wiedergutmachung und konnten seit 1972 zum Teil Schadensersatzansprüche gerichtlich durchsetzen. In den USA besitzen die Indianer seit 1924 allgemeines Staatsbürgerrecht, in Kanada seit 1960 Wahlrecht. 1990 lebten in den USA etwa 2 Mio. Indianer (einschließlich Eskimo und Aleuten; um 1890 etwa 500000), davon mehr als die Hälfte außerhalb des Stammeslands; in Kanada (1991) 784000, von denen nur die Hälfte staatlich anerkannt sind, dazu 213000 als Autochthone anerkannte Mischlinge (Métis) und 49000 Eskimo (Inuit).


Lateinamerika:
Zu unterscheiden sind die hoch entwickelten Staaten in Mittelamerika und im westlichen Südamerika und die indianischen Stammesvölker v.a. des tropischen Tieflands im Osten und Südosten Südamerikas. Von den archäologisch bekannten Völkern Mittelamerikas (Olmeken, Azteken, Zapoteken, Mixteken, Tarasken, Totonaken, Maya) sowie von den Inka im westlichen Südamerika überlebten nur noch die Nachfahren der bäuerlichen Grundbevölkerung. Während die hoch entwickelten Indianerstaaten schon bald nach der Ankunft der Spanier mit der Gefangennahme der jeweiligen Herrscher unterworfen wurden, kamen die Indianer der tropischen Regenwälder nur zögernd, zum Teil erst im 20.Jahrhundert, in Kontakt mit den Weißen. Heute sind bis auf einige Stämme im Amazonasgebiet sämtliche Indianer Lateinamerikas unterdrückt, zum Teil auch ganze Stämme ausgerottet (z.B. Patagonier, Feuerlandindianer). Die weitere Existenz der Tieflandstämme ist durch die großflächige Gewinnung von Bodenschätzen und Entwaldung sowie durch die zunehmende Verbreitung von Krankheiten gefährdet. Außerhalb der Zentralanden rechnet man noch mit 1,5-2 Mio. Indianern; vor allem in den Anden kam es zu einer intensiven, auch kulturellen Vermischung mit den Weißen, besonders mit den Spaniern. Religion: Vielgestaltig sind die Religionen und mythologischen Vorstellungen der Indianer. Bei den Indianern Nordamerikas war der Glaube an einen Hochgott (Großer Geist) weit verbreitet; in vielen Stämmen ist daneben die Gestalt eines Heilbringers nachweisbar, auf den auch der Besitz der Kulturgüter zurückgeführt wird. Typische Erscheinungen sind Totemismus und Initiationsriten. Der Kult der Indianer hatte oft ekstatischen Charakter. Der Seelen- und Unsterblichkeitsglaube verband sich mit der Vorstellung von einem Jenseitsreich, das an unterschiedlichen Orten gedacht und von den Jägerstämmen als »ewige Jagdgründe« angesehen wurde. Die Verbindung zur Geister- und Dämonenwelt wurde vielfach von einem Medizinmann aufrechterhalten, der auch Funktionen eines Priesters hatte. Ähnliche Vorstellungen finden sich auch bei den indianischen Naturvölkern Lateinamerikas.

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(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001

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